Reaktionen aus dem Stadtrat zum MDR Bericht
Sport braucht Verlässlichkeit
Nach dem gestrigen MDR Bericht zu den Nordhäuser Bogenschützen des Bowteam wird auch der Stadtrat rege. Während man bei der AfD von einer Blamage für das Rathaus spricht, sieht man bei der FDP ein trauriges Beispiel ausufernder Bürokratie. Die Grünen fordern tragfähige Lösungen und mahnen vor parteipolitischer Zuspitzung, die SPD hat einen langen Fragenkatalog…
Erfolgreiche Sportler ohne Trainingsstätte - wie es für das "Bowteam" weiter geht, bleibt unklar (Foto: Christoph Werner/Bowteam; nnz-Archiv)
Zum Stand der Dinge beim Bowteam und dem Bericht des MDR hatte die nnz bereits gestern Abend berichtet. Seitdem haben diverse Statements aus dem Nordhäuser Stadtrat die Redaktion erreicht, die hier zusammengefasst werden sollen.
Respektlosigkeit und Arroganz
Die erste Meldung ging noch am Vorabend des gestrigen Tages aus dem Büro der AfD-Landtagsabgeordneten Düben Schaumann ein. Die Sendung sei ein Armutszeugnis, die Verwaltung und ihre Pressestelle würden ein inhaltlich und kommunikativ beschämendes Verhalten zeigen.
Das Verhalten der Stadtverwaltung gegenüber dem Verein sei strukturelles Versagen gegenüber dem organisierten Sport und dem Ehrenamt in Nordhausen, der Pressestelle wirft man Intransparenz und Arroganz vor. Die Stadt stehe thüringenweit in einem äußerst schlechten Licht da.
In dem Vorfall sehe die AfD-Fraktion kein isoliertes Ereignis, sondern einen Beleg für ein zunehmendes Unverständnis des Oberbürgermeisters gegenüber dem Ehrenamt.
Trauriges Beispiel ausufernder Bürokratie
Im Stadtrat war es derweil nicht die AfD, die auf Lösungen für die von dem Verkauf des Grundstücks am Alten Tor betroffenen Vereine drängte, sondern die Fraktionen von SPD, Grünen, Linken, der Bürgerliste Südharz und der FDP.
Für Letztere äußerte sich heute Dr. Ulrich Konschak zum MDR-Bericht, selber lange Jahre Leistungssportler. Der seit mehr als einem Jahr im Stadtrat und in den zuständigen Ausschüssen diskutierte Vorgang um den Verkauf der Sportanlage […] hat nun schlussendlich genau dazu geführt, wovor ich [...] bereits am 01. April 2025 gewarnt habe: das Bowteam Nordhausen wird nach einem Verkauf des Geländes ohne Trainingsstätte dastehen. Vorschläge zu Alternativen kamen von den Fraktionen und dem Jugendsozialwerk, eine Aufgabe die laut Konschak im Sinne der Sportförderung eigentlich von Seiten der Stadtverwaltung hätte erfolgen müssen. Die jetzige Situation sei ein trauriges Beispiel für ausufernde Bürokratie, sich gegenseitig zugeschobene Verantwortlichkeiten der Behörden und, das muss man so sagen, fehlendes Engagement seitens der Kommune. In Zeiten von zunehmender körperlicher Inaktivität der Kinder sowie Bevölkerungsschwund werde hier ein verheerendes Signal ausgesandt.
Dreh- und Angelpunkt der Diskussionen ist der Verkauf des Areals an der Rothleimmühle an das Jugendsozialwerk. Zwei bekannte Vereine haben ihre Trainings- und Spielstätte dabei verloren, neben dem Bowteam hatte auch der Zirkus Zappelini sein zu Hause (Foto: ssc)
Vereinsarbeit muss abgesichert werden
Die Grünen halten fest, dass der politische Wille, die Vereinsarbeit zu unterstützen und zu gewährleisten verbindlich im Stadtrat festgehalten wurde. Das berechtigte Anliegen des Vereins dürfe dabei nicht für parteipolitische Profilierung instrumentalisiert werden. Wer heute Engagement für das BowTeam reklamiert, sollte offenlegen, welche eigenen parlamentarischen Schritte unternommen wurden. Eine sachliche und faire Debatte setzt voraus, dass Initiativen korrekt benannt und tatsächliche Beiträge nicht verzerrt dargestellt werden., heißt es in der Mitteilung der Grünen, politische Verantwortung zeige sich in konkreten Anträgen, Mehrheiten und Beschlüssen – nicht in nachträglicher Kritik oder medialer Empörung.
Man erwarte, dass die offenen naturschutzrechtlichen Fragen zügig und transparent geklärt werden, das Ziel müsse eine tragfähige und rechtssichere Lösung für das Bowteam sein.
Ein langer Fragenkatalog
Warum dem Verkauf zugestimmt wurde, ohne eine gesicherte sportliche Perspektive für die betroffenen Vereine zu haben, fragt sich Patrick Börsch von der SPD. Die Frage sei nicht polemisch, sondern notwendig, die Herausforderungen der Sportstättenentwicklung in der Stadt und im Landkreis seien schließlich seit Jahren bekannt. "Ein deutlicher Investitionsstau bei bestehenden Anlagen, zu wenig Hallenkapazitäten, Diskussionen über neue Kunstrasenplätze – all das sind Themen, die regelmäßig auf der politischen Agenda stehen. Umso unverständlicher wirkt es im Nachhinein, eine bestehende, sportlich genutzte Fläche aufzugeben, ohne zuvor eine tragfähige Alternative geschaffen zu haben.", teilt Börsch mit.
Um Transparenz zu schaffen und die weitere Vorgehensweise sachlich bewerten zu können müsse die Stadtverwaltung offene Fragen klären. Sportvereine seien ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, Transparenz hinsichtlich der Entscheidungsgrundlagen, zu Kosten sowie der Kommunikation zwischen Verwaltung und Vereinen sei daher unerlässlich.
Der Fragenkatalog , welcher der nnz vorliegt, umfasst mehrere Schwerpunkte zu Ersatz- und Alternativflächen, der Eignungsprüfung der des vermieteten Grundstücks, zur Kommunikation mit der Presse und dem im Beitrag des MDR erwähnten Gutachtens zur Prüfung des Areals. Allein hier wurden elf Fragen an das Rathaus gestellt. Die SPD erbittet sich die Beantwortung innerhalb der nächsten 14 Tage.
Sportvereine seien kein Randthema der Kommunalpolitik, meint Börsch, sowohl die SPD-Fraktion als auch der organisierte Sport erwarteten eine schnelle, transparente und konstruktive Lösung durch die Verantwortlichen im Rathaus zu Gunsten der Vereine. Nicht Schuldzuweisungen sollten jetzt im Vordergrund stehen, sondern das gemeinsame Ziel, dem Verein wieder eine verlässliche sportliche Heimat zu ermöglichen.
Erfolgreiche Sportler ohne Trainingsstätte - wie es für das "Bowteam" weiter geht, bleibt unklar (Foto: Christoph Werner/Bowteam; nnz-Archiv)
Zum Stand der Dinge beim Bowteam und dem Bericht des MDR hatte die nnz bereits gestern Abend berichtet. Seitdem haben diverse Statements aus dem Nordhäuser Stadtrat die Redaktion erreicht, die hier zusammengefasst werden sollen.
Respektlosigkeit und Arroganz
Die erste Meldung ging noch am Vorabend des gestrigen Tages aus dem Büro der AfD-Landtagsabgeordneten Düben Schaumann ein. Die Sendung sei ein Armutszeugnis, die Verwaltung und ihre Pressestelle würden ein inhaltlich und kommunikativ beschämendes Verhalten zeigen.
Das Verhalten der Stadtverwaltung gegenüber dem Verein sei strukturelles Versagen gegenüber dem organisierten Sport und dem Ehrenamt in Nordhausen, der Pressestelle wirft man Intransparenz und Arroganz vor. Die Stadt stehe thüringenweit in einem äußerst schlechten Licht da.
In dem Vorfall sehe die AfD-Fraktion kein isoliertes Ereignis, sondern einen Beleg für ein zunehmendes Unverständnis des Oberbürgermeisters gegenüber dem Ehrenamt.
Trauriges Beispiel ausufernder Bürokratie
Im Stadtrat war es derweil nicht die AfD, die auf Lösungen für die von dem Verkauf des Grundstücks am Alten Tor betroffenen Vereine drängte, sondern die Fraktionen von SPD, Grünen, Linken, der Bürgerliste Südharz und der FDP.
Für Letztere äußerte sich heute Dr. Ulrich Konschak zum MDR-Bericht, selber lange Jahre Leistungssportler. Der seit mehr als einem Jahr im Stadtrat und in den zuständigen Ausschüssen diskutierte Vorgang um den Verkauf der Sportanlage […] hat nun schlussendlich genau dazu geführt, wovor ich [...] bereits am 01. April 2025 gewarnt habe: das Bowteam Nordhausen wird nach einem Verkauf des Geländes ohne Trainingsstätte dastehen. Vorschläge zu Alternativen kamen von den Fraktionen und dem Jugendsozialwerk, eine Aufgabe die laut Konschak im Sinne der Sportförderung eigentlich von Seiten der Stadtverwaltung hätte erfolgen müssen. Die jetzige Situation sei ein trauriges Beispiel für ausufernde Bürokratie, sich gegenseitig zugeschobene Verantwortlichkeiten der Behörden und, das muss man so sagen, fehlendes Engagement seitens der Kommune. In Zeiten von zunehmender körperlicher Inaktivität der Kinder sowie Bevölkerungsschwund werde hier ein verheerendes Signal ausgesandt.
Dreh- und Angelpunkt der Diskussionen ist der Verkauf des Areals an der Rothleimmühle an das Jugendsozialwerk. Zwei bekannte Vereine haben ihre Trainings- und Spielstätte dabei verloren, neben dem Bowteam hatte auch der Zirkus Zappelini sein zu Hause (Foto: ssc)
Vereinsarbeit muss abgesichert werden
Die Grünen halten fest, dass der politische Wille, die Vereinsarbeit zu unterstützen und zu gewährleisten verbindlich im Stadtrat festgehalten wurde. Das berechtigte Anliegen des Vereins dürfe dabei nicht für parteipolitische Profilierung instrumentalisiert werden. Wer heute Engagement für das BowTeam reklamiert, sollte offenlegen, welche eigenen parlamentarischen Schritte unternommen wurden. Eine sachliche und faire Debatte setzt voraus, dass Initiativen korrekt benannt und tatsächliche Beiträge nicht verzerrt dargestellt werden., heißt es in der Mitteilung der Grünen, politische Verantwortung zeige sich in konkreten Anträgen, Mehrheiten und Beschlüssen – nicht in nachträglicher Kritik oder medialer Empörung.
Man erwarte, dass die offenen naturschutzrechtlichen Fragen zügig und transparent geklärt werden, das Ziel müsse eine tragfähige und rechtssichere Lösung für das Bowteam sein.
Ein langer Fragenkatalog
Warum dem Verkauf zugestimmt wurde, ohne eine gesicherte sportliche Perspektive für die betroffenen Vereine zu haben, fragt sich Patrick Börsch von der SPD. Die Frage sei nicht polemisch, sondern notwendig, die Herausforderungen der Sportstättenentwicklung in der Stadt und im Landkreis seien schließlich seit Jahren bekannt. "Ein deutlicher Investitionsstau bei bestehenden Anlagen, zu wenig Hallenkapazitäten, Diskussionen über neue Kunstrasenplätze – all das sind Themen, die regelmäßig auf der politischen Agenda stehen. Umso unverständlicher wirkt es im Nachhinein, eine bestehende, sportlich genutzte Fläche aufzugeben, ohne zuvor eine tragfähige Alternative geschaffen zu haben.", teilt Börsch mit.
Um Transparenz zu schaffen und die weitere Vorgehensweise sachlich bewerten zu können müsse die Stadtverwaltung offene Fragen klären. Sportvereine seien ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, Transparenz hinsichtlich der Entscheidungsgrundlagen, zu Kosten sowie der Kommunikation zwischen Verwaltung und Vereinen sei daher unerlässlich.
Der Fragenkatalog , welcher der nnz vorliegt, umfasst mehrere Schwerpunkte zu Ersatz- und Alternativflächen, der Eignungsprüfung der des vermieteten Grundstücks, zur Kommunikation mit der Presse und dem im Beitrag des MDR erwähnten Gutachtens zur Prüfung des Areals. Allein hier wurden elf Fragen an das Rathaus gestellt. Die SPD erbittet sich die Beantwortung innerhalb der nächsten 14 Tage.
Sportvereine seien kein Randthema der Kommunalpolitik, meint Börsch, sowohl die SPD-Fraktion als auch der organisierte Sport erwarteten eine schnelle, transparente und konstruktive Lösung durch die Verantwortlichen im Rathaus zu Gunsten der Vereine. Nicht Schuldzuweisungen sollten jetzt im Vordergrund stehen, sondern das gemeinsame Ziel, dem Verein wieder eine verlässliche sportliche Heimat zu ermöglichen.