Frauen am Nordthüringer Arbeitsmarkt

Moderne Modelle bringen Bewegung in alte Rollenmuster

Frauen sind unverzichtbar für eine stabile Wirtschaft - sie stellen etwa die Hälfte aller Beschäftigten. Aber auch heute noch erschweren traditionelle Rollenmuster ihr Arbeitsleben. Danach sind Frauen hauptverantwortlich für Sorgearbeit. Teilzeitverträge sind oft die unweigerliche Folge um Beruf und Familie in Einklang miteinander bringen zu können…

„Frauen können ihr Potenzial am Arbeitsmarkt viel stärker einbringen, wenn die Unternehmenskultur es Männern erleichtert, Familienaufgaben zu übernehmen“, so Nicole Wedler-Wehlisch, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Thüringen Nord. Ein Paradigmenwechsel in diese Richtung sei langsam wahrnehmbar – in den letzten zehn Jahren stieg vor allem die Zahl der Männer in Teilzeitbeschäftigung.

Klassische „Frauenberufe“ sind weniger konjunktursensibel
Letztes Jahr gingen mit 28.555 Beschäftigten im Landkreis Nordhausen 1.250 Personen weniger einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach als noch vor zehn Jahren. Frauen machten dabei zuletzt 48,7 Prozent der Gesamtbeschäftigung im Landkreis aus. Der Beschäftigungsrückgang ist zum einen konjunkturell begründet. Gegenwärtige Betriebsschließungen und Entlassungen im gewerblichen Sektor betreffen vor allem Männer.

Aber auch das Ausscheiden älterer Mitarbeitender sorgt für sinkende Zahlen, wenn ihre Stellen nicht nachbesetzt werden können. Die Demografie wirkt dabei branchenübergreifend und trifft sowohl Männer als auch Frauen. Während Männer im Landkreis Nordhausen insbesondere Berufe der Maschinenbau- und Betriebstechnik, der Lagerwirtschaft und der Fahrzeugtechnik ausüben, sind Frauen zumeist in konjunkturell weniger abhängigen Berufsfeldern tätig. Die meisten Frauen arbeiten im Landkreis in der Erziehung / Sozialarbeit / Heilerziehungspflege, in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie im Büro und Sekretariat.

Führung bleibt häufig Männersache
Selbst in Branchen, in denen Frauen mehr als die Hälfte aller Beschäftigten stellen, sind Führungspositionen häufiger von Männern besetzt. Im Landkreis Nordhausen zeigt sich das besonders stark im Bereich des Grundstücks- und Wohnungswesens. Dazu gehören beispielsweise der Handel und die Vermietung von Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen. Obwohl 55,8 Prozent der Beschäftigten dort weiblich sind, übernehmen Frauen nur 28,6 Prozent der Leitungsaufgaben.

Anders sieht es in Bereichen wie Erziehung und Unterricht oder auch im Gesundheits- und Sozialwesen aus. Hier sind mehr als drei Viertel aller Beschäftigten weiblich und auch die Leitungsaufgaben werden überwiegend von Frauen ausgeübt.

Mehr Führung in Teilzeit – bessere Chancen für Frauen
Die Zahl von Frauen in Führungspositionen ist im Landkreis Nordhausen in den letzten zehn Jahren um 15,5 Prozent auf 420 Beschäftigte gesunken. Damit sind 26,8 Prozent der Führungskräfte im Landkreis eine Frau. Thüringenweit liegt der Anteil von Frauen mit Leitungsaufgaben bei 32,1 Prozent.

Ein wichtiger Faktor für eine positive Entwicklung sind familienfreundliche Arbeitszeitmodelle: Die Zahl der weiblichen Teilzeitbeschäftigten mit Leitungsaufgaben wuchs seit 2015 um 21,5 Prozent; die der Vollzeitbeschäftigten sank um 25,6 Prozent. Letztes Jahr arbeiteten im Landkreis 130 weibliche Führungskräfte in Teilzeit und 290 in Vollzeit.

Langsamer Paradigmenwechsel – Mehr Männer in Teilzeit
Insgesamt ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten im Landkreis Nordhausen in den letzten zehn Jahren um 11,6 Prozent auf etwa 9.000 Personen gestiegen. Besonders auffällig ist dabei der wachsende Männeranteil. Während vor zehn Jahren noch 15,7 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten Männer waren, lag ihr Anteil zuletzt bei 19,5 Prozent.

Der zunehmende Einstieg von Männern in Teilzeit kann langfristig dazu beitragen, Sorgearbeit gerechter zu verteilen und so auch die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt zu erhöhen.