Heimatgeschichte

Ein Bischof in Ilfeld

Ilfeld im 13. Jahrhundert war ein Ort im Aufbruch. Die Hohnsteiner Grafen hatten hier ihren Alterssitz, das junge Prämonstratenserkloster wuchs zu einem geistlichen Zentrum heran. Mitten in dieser Phase taucht plötzlich ein Mann auf, den hier niemand erwartet hätte: Konrad von Friedberg, ehemaliger Bischof von Olmütz.Heimatforscher Tim Schäfer weiß dazu mehr...

Eine Urkunde aus dem Jahr 1257, überliefert im Kopialbuch II (Nr. 52, S. 137), berichtet von seinem Aufenthalt „als Gast in Ilfeld“. Noch bemerkenswerter ist, was er hier tat: Konrad erteilte einen 40TageAblass zugunsten eines Hospitals, das „die zusammenströmenden Armen“ versorgte. Die Gläubigen wurden aufgerufen, „Almosen und Unterstützungen“ zu geben, um die Versorgung sicherzustellen. Bisher kaum erwähnt, in seiner Bio.

Damit wird auch klar: Ilfeld besaß bereits Mitte des 13. Jahrhunderts ein Hospital für Bedürftige – eine Einrichtung, die neben der klösterlichen Infirmerie und der Wohnstätte der Hohnsteiner Grafen bestand. Die Gründung fällt in die Zeit 1230–1250, kurz nach der Weihe der Klosterkirche 1227.

Die Hohnsteiner Grafen – allen voran Graf Elger, Lutrude bis Elger secundos von Honstein – hatten das Kloster nicht nur begründet, sondern auch mit Rechten, Gütern und Schutz ausgestattet. Ihre politische und wirtschaftliche Macht schuf die Grundlage dafür, dass Ilfeld zu einem Ort wurde, an dem geistliche Aufgaben und soziale Verantwortung, vorteilhaft für die Herrschaft der Dynasten, Hand in Hand gingen. Dass ein ehemaliger Bischof aus Mähren hier einen Ablass zugunsten der Armen erteilte, zeigt auch, wie weit der Einfluss des Klosters und seiner Stifterfamilie reichte. Ilfeld war im Hochmittelalter nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein Ort der Fürsorge – ein Gedanke, der sich bis heute fortsetzt.

Eine Traditionslinie bis in die Gegenwart
Die heutige Neanderklinik Harzwald steht auf dem Boden des Klosters und – bewusst oder unbewusst – in dieser langen Tradition. Was im 13. Jahrhundert als kleines Hospital für Arme begann, entwickelte sich über fast 800 Jahre zu einer modernen Einrichtung, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleitet und unterstützt. Exemplarisch für Ilfeld, nicht zuletzt als Schulstandort.
Die alte Urkunde aus dem Jahr 1257 ist damit beinah mehr als ein historisches Dokument. Sie ist ein Hinweis darauf, dass Ilfeld – heute Teil der Gemeinde Harztor – seit Jahrhunderten ein Ort ist, an dem Fürsorge, Heilung und Menschlichkeit eine besondere Rolle spielen.

Einladung zum Vortrag
Wer mehr über die Hohnsteiner Grafen, das Kloster Ilfeld und die neuen historischen Funde erfahren möchte, ist herzlich eingeladen: 13. März, 19 Uhr Museum Krypta der Neanderklinik Harzwald. Der Eintritt ist frei.

Im Rahmen der Neander Kulturmomente 2026 präsentiert Tim Schäfer einen dichten Fachvortrag über Ilfeld im ausgehenden Hochmittelalter – mit vielen bislang wenig bekannten Quellen aus päpstlichen Bullen, Regesten und Archiven. Ilfelder, Gäste und Bewohner sind herzlich willkommen.
Tim Schäfer