Junge Marokkaner arbeiten jetzt im Hotel "Fürstenhof"

Angekommen im neuen Zuhause

Donnerstag
25.11.2021, 19:00 Uhr
Autor:
osch
veröffentlicht unter:
Unter den dreißig Mitarbeitern des Hotels „Fürstenhof“ aus insgesamt sieben Nationen tummeln sich seit Oktober auch vier junge Marokkaner. Wie es ihnen bisher erging und wie sie sich in Deutschland fühlen, wollte Olaf Schulze wissen

Die vier Neuen im Kreise ihrer Ausbilder und Unterstützer (Foto: Eva Wiegand) Die vier Neuen im Kreise ihrer Ausbilder und Unterstützer (Foto: Eva Wiegand)

Es sind zwei Hotelfacharbeiter, zwei Restaurantfachkräfte und ein Koch (der eigentlich ein ausgebildeter Konditor ist), die seit Mitte Oktober das Team des Nordhäuser Hotels „Fürstenhof“ verstärken. Alle fünf haben in ihrer Heimat eine höhere Schule mit Berufsausbildung absolviert und kamen hoch motiviert in den Südharz. Hier wurden sie nach eigenen Aussagen sehr freundlich empfangen, was nicht nur an ihrem aufgeschlossenen Arbeitgeber Axel Heck und seinen Mitarbeiterinnen im Hotel, Claudia Reich und Nuell Bütow liegen wird, sondern auch an ihren vier deutschen Lehrlingskollegen, die sie nach Kräften unterstützen. Einer von ihnen dient den „Neuen“ als regelrechter Scout bzw. Vermittler und hilft den jungen Nordafrikanern sich im ungewohnten deutschen Umfeld zurechtzufinden. Inzwischen besuchen sie die Erfurter Berufsschule und streben einen deutschen Berufsabschluss an. Das gehe in der Regel schneller als die Anerkennung der marokkanischen Ausbildung in Deutschland, erklärt Katerina Romanczuk vom Europa-Service Nordthüringen, der im Bielener BIC angesiedelt ist. Ihren Netzwerken und Erfahrungen ist es unter anderem zu verdanken, dass die Verbindung nach Marrakesh überhaupt zustande kam und die Ausländer ein Ausbildungsvisum erhielten. „Wir haben Kontakte in viele Länder und können noch wesentlich mehr Unternehmen aktiv bei der Fachkräftegewinnung helfen“, verrät die junge Frau. Engagiert helfen sie und ihre Kolleginnen, die jungen Marokkaner in Nordhausen bei wichtigen Behördenwegen und ähnlichem zu unterstützen.

„Wir legen Wert auf eine gelungene Integration“, stellt Axel Heck fest, „schließlich wollen wir unsere Azubis nach ihrer Ausbildung hier behalten. Ich hoffe, wir können auch anderen Firmen der Region ein gutes Beispiel geben, wie Fachkräftegewinnung und Integration funktionieren können.“ Bange ist ihm bei seinen fünf Schützlingen offensichtlich nicht, dass es gelingen wird. Alle hätten eine starke Motivation nach Deutschland zu kommen, erzählt Heck und betont, dass sie dafür in ihrer Heimat auf eigene Kosten die deutsche Sprache erlernt haben.

Khalil betreut nach nur einem Monat schon selbständig die Rezeption (Foto: Eva Wiegand) Khalil betreut nach nur einem Monat schon selbständig die Rezeption (Foto: Eva Wiegand)

Bei der Probe aufs Exempel sind wir erstaunt, denn der 24-jährige Khalil spricht ein nahezu perfektes Deutsch. Er lobt die Atmosphäre und die Ruhe in Deutschland, die mit Marokko nicht vergleichbar sei. Und er schätzt die Mentalität der Deutschen sowie die klaren Regeln und Gesetze, nach denen hier alles abläuft. Das sei bei ihm zu Hause anders. Jetzt schon liebt er die Thüringer Natur und schwärmt von dem vielen Grün überall. Da solle er mal noch einen Monat warten, scherzen die Einheimischen und fragen, ob er sich schon eine Winterjacke oder Mütze besorgt habe. „Ja, natürlich“, antwortet Khalil grinsend und es ist nicht erkennbar, ob er weiß, was Winter bedeutet.

Khalil hat eher zufällig im Gymnasium Deutsch als zweite Fremdsprache gelernt und wegen guter Leistungen einen längeren Aufenthalt in Deutschland gewonnen. Allerdings wurde der Gewinn dann nie eingelöst und jetzt ist Khalil froh, dass alles so gekommen ist. Ein früheres Praktikum als Rezeptionist hat die Liebe an der Hotellerie in ihm entfacht und nun brennt er darauf, sich hier in Nordhauen zu beweisen. Inzwischen übernimmt er schon ganz alleine stundenweise den Rezeptionsdienst des Hotels.

Die junge Restaurantfachfrau Imane freut sich auf die Arbeit in Nordhausen  (Foto: Eva Wiegand) Die junge Restaurantfachfrau Imane freut sich auf die Arbeit in Nordhausen (Foto: Eva Wiegand)

Auch die künftige Hotelfachfrau Imane Bouzara ist seit Mitte Oktober im „Fürstenhof“ und des Lobes voll. Die 21-jährige findet hier und in ihrer Berufsschule „alle supernett“. Die fremde Sprache war anfangs in der Anwendung noch kompliziert für sie, aber sie habe schnell gelernt. Axel Heck und der Europa-Service haben direkt nach der Ankunft Sprachkurse organisiert, die den Neulingen Mut machen sollten, die Fremdsprache direkt anzuwenden. Mit großem Erfolg, obwohl alle vier schon hier Arbeitenden ihre anfänglichen Schwierigkeiten beschreiben, dem Nordhäuser Dialekt zu folgen. Aber auch in diesem Punkt bleiben sie hartnäckig und machen Fortschritte.

Oussama erwartet gespannt den Winter und das kalte, weiße Zeug (Foto: Eva Wiegand) Oussama erwartet gespannt den Winter und das kalte, weiße Zeug (Foto: Eva Wiegand)

Der 21-jährige Oussama ist jetzt ebenfalls einen Monat in der Rolandstadt und fasst sein Empfinden in einem breiten Grinsen und den Worten „Alles gut“ zusammen. Er wird zum Hotelfachmann ausgebildet und später für Rezeption, Organisation von Housekeeping und anderen Abläufen im Hotel zuständig sein.

Vierter im Bunde der bisher eingetroffenen Marokkaner ist Youssef, der am letzte Wochenende nach einer längeren Odyssee durch einige europäische Flughäfen nach Nordhausen kam. Er versteht schon sehr gut (Hoch)Deutsch und spricht die Sprache passabel. Als Koch wird er wohl hauptsächlich mit den kleinen, feinen Backwerken betraut werden, denn er ist ausgebildeter und anerkannter Konditor. „Durch Youssef werden wir einige spezielle Leckerbissen bieten können“, freut sich Axel Heck. „Was er herstellt ist sensationell lecker.“ Schon Youssefs Vater war ein Koch und er arbeitete zu Hause in einer Patisserie. Er hat Familienangehörige in Düsseldorf und schon seit langer Zeit Freunde in Deutschland, berichtet uns Youssef.

Youssef staunt noch über seine neue Heimat und ist froh, endlich da zu sein (Foto: Eva Wiegand) Youssef staunt noch über seine neue Heimat und ist froh, endlich da zu sein (Foto: Eva Wiegand)

Während wir uns im Frühstücksraum des Hotels unterhalten poltert ein gut gelaunter junger Mann herein. Auch er hat ein fröhliches Lachen im Gesicht und grüßt überschwänglich in die Runde. „Das ist Domenico, unser italienischer Koch“, erläutert Nuell Bütow, die das alltägliche Regiment im Hotel führt und für Personalentscheidungen zuständig ist. „Wir haben Mitarbeiter aus sieben Nationen im Team“, ergänzt Claudia Reich, die in der Firma Heck für Projekte und Entwicklungen verantwortlich zeichnet. Aus Albanien, Indonesien, Rumänien, Syrien, Italien, Deutschland und nun auch aus Marokko kommt die motivierte Truppe, die in Kürze auch ein neues Hotelrestaurant bewirtschaften wird. Dort wird momentan noch gebohrt und gehämmert, aber Mitte Dezember sollen die Hotelgäste ihr Frühstück schon hier einnehmen können.

Kurz danach werden die Nordhäuser selbst überprüfen können, was es mit marokkanischer Freundlichkeit und internationalen Kochkünsten im Hotel „Fürstenhof“ auf sich hat. Bleibt zu wünschen, dass Axel Hecks Versuch der Fachkräftegewinnung erfolgreich ist und überall dort Schule macht, wo händeringend nach gut ausgebildetem Personal gesucht wird.
Olaf Schulze